Das sagte der Theaterregisseur und Intendant Claus Peymann am Abend des 07.11.2018 in der Landauer Festhalle in seinem Vortrag im Rahmen seiner von der Universität verliehenen Poetik-Dozentur. Umso mehr waren wir auf ihn gespannt, als wir, der DS-Kurs von Frau Branca, ihn am nächsten Vormittag im Zentrum für Kultur- und Wissensdialog trafen.

Der von den Medien und Schauspielern oft als „Theatertyrann“ und schwierig und aggressiv beschriebene 81-Jährige erschien uns sympathisch auf seine eigene Art und Weise. Sätze wie „ich habe gestern wohl zu viel Wein getrunken“ oder „und sie stand komplett nackt und rein auf der Bühne, das war unglaublich“ lockerten das Gespräch auf und machten neugierig auf diesen Mann, der voller Lebenserfahrung ist. In einem SWR-Interview vor unserem Seminar äußerte er sich zu seiner Kindheit, seinem beruflichen Werdegang und zu seiner aktuellen Situation. Die Weltkriegszeit und der herrschende Konflikt im Elternhaus zwischen seinem Nazi-Vater und seiner Mutter, einer bekennenden Gegnerin des Nationalsozialismus, prägten seinen Charakter und sein politisches Denken. Er lehnte seine Familie ab und ersetzte diese durch Schauspieler und Theatermenschen.

Peymanns Inszenierungen stießen immer wieder auf Ablehnung und gleichzeitig auch Liebe der Zuschauer und der Medien – und genau das ist sein Ziel: Kontroversen schaffen und provozieren. Er forderte uns auf, stets mit Vernunft zu entscheiden, kurz darauf erklärte er uns, wir sollten auf unser Herz hören – beides begründet und ausgeschmückt mit Anekdoten aus seinem privaten und beruflichen Leben. Peymann, der in seiner Leidenschaft und in seinem Interesse für uns innerlich jung geblieben ist, bezeichnet sich selbst als den „König des Theaters“, der nun sein Königreich abgeben müsse. Wie in seinem kürzlich inszenierten „König Lear“ blickt er auf viel Ruhm zurück, ist aber auch verunsichert, wie er uns in der Fragerunde nach dem Seminar gesagt hat, da er nichts anderes als Theater könne. Er setzt sich intensiv mit dem Thema Tod auseinander.

Wir hatten die Möglichkeit eine beeindruckende Persönlichkeit zu erleben und sind uns sicher, dass er nicht nur bei uns Denkanstöße und Spuren hinterlassen hat.

11 DS-GK 1